Die schwäbisch-alemannische Fastnacht ist mehr als nur eine Faschingszeit – sie ist ein lebendiges Kulturerbe mit tiefen Wurzeln in der Geschichte. Besonders in Donaueschingen und dem Schwarzwald-Baar-Kreis wird die "Fasnet" mit einzigartigen Bräuchen, Figuren und Narrenzünften gefeiert. Doch was macht sie so besonders, worin liegt der Unterschied zum Karneval – und wie fängt man das Spektakel fotografisch ein?
Die Fasnacht blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die vorchristliche Zeit reicht. Ein Hinweis auf ihre Ursprünge findet sich in Rottweil. Ursprünglich diente das Fest als Übergangsritual, bei dem Maskierungen und ausgelassene Feiern die Geister des Winters vertreiben sollten. Später wurde die Fasnacht mit christlichen Traditionen verbunden, insbesondere mit dem Fastnachtsdienstag, der den Beginn der Fastenzeit markiert. Noch heute bewahren viele Fastnachtsbräuche ihre vorchristlichen Elemente, wie die auffälligen Masken, die häufig Dämonen oder Tiere darstellen.
Das Wort „Narr“ steht im Alltag oft für Begriffe wie Tor, Tölpel, Kindskopf oder Spaßvogel. Doch im deutschen Südwesten hat der Narr eine ganz andere Bedeutung: Hier sind Narren zentrale Figuren der schwäbisch-alemannischen Fasnet, die mit einem kunstvollen Häs (Fastnachtsgewand) und einer handgeschnitzten Holzmaske auftreten. Sie verkörpern keine Einzelfiguren, sondern gehören zu großen Narrenzünften mit festen Traditionen.
Auf der Baar, östlich des Schwarzwalds, sind vor allem die Weißnarren verbreitet. Zu den ältesten und bekanntesten Figuren zählen der Narro aus Villingen und der Hansel aus Donaueschingen, deren kunstvolle Gewänder mit Glocken und Stickereien verziert sind.
Verkleidungen sind ein fester Bestandteil der Fasnacht. Masken spielen eine zentrale Rolle und haben nicht nur symbolische Bedeutung, sondern sollen auch böse Geister abwehren. In vielen Regionen des Südwestens werden diese Masken von Hand geschnitzt und gelten als wahre Kunstwerke. Die Wahl der richtigen Verkleidung erfolgt in einfachen Kostümen oder aufwendigen, historischen Gewändern. Wer die Fasnacht im Südwesten erleben möchte, kommt an dieser Tradition nicht vorbei.
Wer einem traditionellen Narren ein Lob für sein Outfit aussprechen möchte, sollte auf den Begriff „Kostüm“ verzichten. In Süddeutschland wird die Verkleidung als „Häs“ bezeichnet, der Träger als „Hästräger“ oder „Mäschgerle“. Das Häs ist ein Zeichen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Fastnachtszunft und symbolisiert die Rolle des Trägers innerhalb dieser Zunft.
Während der rheinische Karneval von Prunksitzungen, Funkenmariechen und politischen Büttenreden geprägt ist, steht in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht das Brauchtum im Vordergrund. Charakteristisch sind handgeschnitzte Holzmasken („Larven“), urige Gewänder und archaische Narrenfiguren, die durch die Straßen ziehen. Die Umzüge haben oft eine mystische, manchmal unheimliche Atmosphäre – begleitet von Trommeln, Peitschenknallen und den typischen Narrenrufen.
Jede Ortschaft im Schwarzwald-Baar-Kreis hat ihre eigenen Narrenzünfte mit teils jahrhundertealten Figuren. Hier eine Auswahl der wichtigsten Fastnachtsgruppen:
Musik ist ein wichtiger Bestandteil der Fasnacht. In vielen Regionen wird traditionelle Fastnachtsmusik gespielt, oft mit Blasmusik oder Guggenmusik, bei der schrille Trommeln und Blechblasinstrumente den Takt angeben. Die Musik trägt zur Feststimmung bei und sorgt für die richtige Atmosphäre während der Umzüge und Feiern.
Die Fasnacht ist ein Paradies für Fotografen, aber die besonderen Bedingungen erfordern einige Tipps:
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Dynamiken einfangen: Die Umzüge sind voller Bewegung: springende Narren, tanzende Gruppen, fliegende Konfetti. Hier ist die richtige Technik entscheidend. Die lebhaften Umzüge mit ihren Narren und maskierten Gestalten erfordern kurze Belichtungszeiten, um Bewegungen scharf festzuhalten. Außerdem kannst du den Serienbildmodus nutzen um den perfekten Moment einzufangen und verschiedene Perspektiven ausprobieren um ungewöhnliche Blickwinkel und Dynamiken ins Bild einzubringen. Besonders bei den Hexen, die sich oft sehr dynamisch bewegen.
🎭 Lichtverhältnisse meistern: Viele Veranstaltungen finden am Abend oder in engen Gassen statt. Eine lichtstarke Linse oder ein höherer ISO-Wert kann hier helfen. Auch das Licht von Straßenlaternen und Beleuchtungen kann helfen besondere Stimmungen zu schaffen.
🎭 Emotionen und Details betonen: Die handgeschnitzten Masken und kunstvollen Gewänder bieten tolle Motive. Sie verdienen Nahaufnahmen, um ihre Feinheiten sichtbar zu machen. Interaktionen zwischen Narren und Zuschauern zeigen die besondere Stimmung der Fasnacht und machen die Bilder lebendig. Die Fasnacht lebt von der Begeisterung und Leidenschaft der Narren und Zuschauer. Fotografiere nicht nur die Masken, sondern vor allem die Emotionen dahinter und die durch große oder aber auch kleine schnell übersehbare Gestiken transportiert werden: ein strahlendes Kind, das einem Narr die Hand gibt oder die Interaktionen der Narren und Hästräger untereinander. Solche Momente transportieren die wahre Magie des Fests.
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Atmosphäre einfangen: Nicht nur die Narren, sondern auch Nebel, Fackeln, Publikum und Fachwerkhäuser machen die Fastnacht einzigartig. Neben klassischen Aufnahmen lohnen sich ungewöhnliche Perspektiven, um das Geschehen aus einer neuen Sicht zu zeigen. Auch ein spezieller,
Kinohafter Bildlook in der Bildnachbearbeitung kann eine emotionale Aufladung des Bildes schaffen.
Die Fastnacht ist für mich eine abwechslungsreiche Gelegenheit, meine fotografischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und kreativ zu werden. Die bunten Masken, die mitreißende Stimmung und die Dynamik der Umzüge bieten eine perfekte Spielwiese, um neue Techniken auszuprobieren. Jedes Jahr entdecke ich neue Perspektiven und einzigartige Motive, die meine Begeisterung für die Fotografie weiter inspirieren.🎭📷
Weitere Bildideen findet ihr auf:
https://www.lichtemotionist.de/fastnachtsumzug-in-donaueschingen